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Freiheits Klagelied.


Meine lieben Freunde. Warum bloß habt ihr Angst vor mir? Ihr schreit nach mir. Ohne mich, sagt ihr, könnt ihr nicht leben. Allein, wenn ich mich dann nähere, baut ihr flugs Barrieren auf. Ihr werft mir Netze über, legt mich in Ketten. Und jeder will mir andere Fesseln anlegen. Ihr seid mir nicht feind, beileibe nicht. Ihr seid meine Freunde. Doch Umgang mit mir, meint ihr, nur sehr bedingt, behutsam pflegen zu dürfen.

Warum mißtraut ihr mir? Bin ich je, wo Ihr mich besaßet, zur Willkür entartet? Was veranlaßt euch, mir zu unterstellen, meiner teilhaftig brächte ich euch dahin, daß euch nur mehr Hauen und Stechen einfiele? Verlort ihr tatsächlich, wenn ihr mich besaßet, jede Hemmung, alle Moral, jegliches Wissen?
Ihr, die ihr behauptet, meine Freunde zu sein, verbreitet von mir, daß, wer mich blank und bloß besitzt, wesentliche Fähigkeiten verliert. So diejenige, Mein und Dein zu achten. So diejenige, sich in eine Gemeinschaft einzufügen, dort Sicherheit und Geborgenheit zu suchen. So diejenige, gemeinsam mit Mitmenschen, mit Nachbarn, zufriedenstellend zu regeln, was alle gemeinsam betrifft.
War es nicht eher so, daß ich euch Stolz verlieh und Tatkraft, auch Einsichten, darunter auch die, euren Mitmenschen zu achten und ihm nicht mutwillig Schaden zuzufügen? War euch, meiner eingedenk, nicht bewußt, daß ihr, wenn ihr jemand anderen oder eine andere Gruppe unterdrückt oder gar auslöscht, selber alsbald meiner verlustig geht?
War es nicht eher so, daß just, wer sich meiner begab, sich zu Handlungen hinreißen ließ, die seiner Natur widersprachen, fadenscheiniger Pflicht folgend oder einer eingetrichterten Treue?
Vordergründig wird behauptet, daß ich begrenzt werden müsse, so wie jedes Spiel, jeder Wettbewerb Regeln benötige, um gerecht und geordnet zu verlaufen. Bei Spiel und Wettkampf indessen geht es darum, einen Sieger zu ermitteln. Im Leben jedoch, ähnlich auf dem Markt, geht es nicht darum, einen Mitmenschen oder Mitbewerber zu übertrumpfen, sondern in erster Linie das eigene Leben zu bewahren und in zweiter Linie ein selbst gestecktes Ziel zu verwirklichen. Lebensziele sind naturgemäß individuell verschieden. Ihnen gemeinsam ist, daß sie auf sich selbst gerichtet sind, nicht unbedingt gegen andere.
Niemand, wer von euch wüßte das nicht, kommt unbeschadet davon, der eine Grundregel des Zusammenlebens verletzt. Diese Regeln zu codifizieren indes, ist weder nötig noch zweckmäßig. Denn erstens dürfte sie jeder von euch kennen (selbst ohne entsprechende Erziehung) oder bei Verstoß rasch kennen lernen. Und zweitens verleiten geschriebene Gesetze, wie ihr wißt, mehr dazu, sie zu umgehen oder bewußt gegen sie zu verstoßen, als ungeschriebene. Nicht umsonst findet das Naturrecht und das Gesetz des ehrbaren Kaufmanns bewundernde Beachtung bei euch.
Ihr falschen Freunde verflacht meinen Namen. Für euch bin ich schon existent, wenn ihr wählen dürft, wem ihr Macht über euch gebt, wer statt eurer bestimmt, was ihr tun und lassen sollt.
Es ist wahr, die Demokratie wurde erfunden, um euch in meinen Besitz zu bringen und zu lassen. Doch von dem, was damit beabsichtigt war, kann nicht die Rede sein, wenn ihr nur mittelbar, über Abgeordnete oder Parteien an den politischen Entscheidungen mitwirken könnt. Das trennt euch von der bewußten Teilnahme am Geschehen, so auch von der unmittelbaren Verantwortung, ein Vorzug, der in Wahrheit ein Verhängnis ist.
Wisset, daß ihr meiner entratet, wenn Ihr mich delegiert auf irgendwelche Repräsentanten. Ich bin weder teil- noch übertragbar.
Was bin ich? Ihr solltet mich verstehen als die von außen nicht eingeschränkte Verfügungsgewalt über euch selbst und das eigene Tun. Folgerichtig könnt ihr euch nur so lange in meinem Besitz wähnen, wie ihr euren eigenen Willen verwirklichen könnt – ohne jede Beschränkung von oben oder außen.
Wenn ihr euch selbst Zwänge auferlegt, das ist euer eigener Wunsch und Wille. Es stärkt eure Selbstachtung und euer Selbstvertrauen. Und es schafft in der Gemeinschaft, in die ihr euch aus freien Stücken einbindet, Ordnung, läßt dort Regeln und Recht zur Geltung kommen.
Ich veranlasse euch, selbst zu bestimmen, welchen Regeln und welchem Recht ihr euch unterwerft. Und ich erlaube und ermögliche euch, die Gemeinschaft zu verlassen, deren inneres Gefüge ihr nicht mehr gutheißt.
In der Vergangenheit haben viele von euch von mir Besitz ergriffen. Oft mußten sie sich dazu der Fremdbestimmung erst gewaltsam entledigen. Ohne Anleitung haben sie eine von unten aufgebaute Ordnung geschaffen, stets darauf bedacht, mich nicht wieder zu verlieren. Sie bewältigten eigenständig, was die Natur und das Miteinander ihnen auferlegte. Das verschaffte ihnen Selbstachtung und Stolz, es brachte ihnen Zufriedenheit und bescheidenen Wohlstand. Und ich gehe sicher nicht fehl, wenn ich behaupte, daß das Bewußtsein meines Besitzes sie veranlaßte, sich zu mäßigen, Vernunft walten zu lassen und Frieden zu halten.
Das, was damals geschah, so ist zu hören und zu lesen, sei heute nicht mehr zu realisieren. Denn ihr, ihr Menschen, hättet euch verändert.
Tatsächlich verändert haben sich eure Lebensumstände. Ihr habt, mehr als jemals zuvor, den Staatsgewaltigen Macht über euch gegeben. Sie regeln heute alles, von der Art, wie ihr gezeugt werdet, bis zu der Weise, wie ihr zur letzten Ruhe kommt. Ihr habt euch entwürdigen, entmündigen, entwurzeln lassen, anderen, oft nicht den Besten, übertragen, Entscheidungen über euch zu treffen. Dadurch ist euch viel von eurem Selbstbewußtsein abhanden gekommen. Und ihr findet viel Anlaß, euch selbst, und noch mehr euren Mitmenschen zu mißtrauen.
Doch ihr habt immer noch die gleichen Grundbedürfnisse. Einerseits die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe und Vertrauen. Andererseits das Verlangen nach mir, nach eigener Entscheidung über alles, was euch betrifft. Und ihr wollt, daß man euch achtet, aber auch, daß ihr selbst euch achten könnt. In eurem Wesen habt ihr euch nicht verändert.
Geändert hat sich euer Verhalten. Das indessen ist, wie immer, dem Umfeld geschuldet.
Euer Umfeld von heute ist kalt, entpersönlicht. In ihm ist jeder sich selbst der nächste. In ihm gilt nur ein Gesetz: Du oder ich. Jeder betrügt jeden. Gier und Unbedenklichkeit sind die vorherrschenden Triebfedern. Kein Wunder, daß ihr euch gegenseitig zutiefst mißtraut.
Was sich hier auswirkt, ist die Eigenart des modernen Staates, jener Einrichtung, die von oben herab alles regelt, vor der keine Selbständigkeit mehr Bestand hat.
Doch die sozialen Probleme lassen sich von oben (durch Vereinheitlichung und Verallgemeinerung) nicht lösen. Das vergebliche Bemühen schafft fortwährend neue Probleme, solche, die es außerhalb der Staaten nicht gäbe.
Ihr wißt, daß ihr einen kleinen Körper im All bewohnt und ihr erfahrt täglich, wie verletzbar er ist und wie empfindlich das Zusammenspiel seines Ökosystems. Zugleich habt ihr euch die Macht über alles Leben auf der Erde verschafft. Die Verantwortung, die euch damit auferlegt worden ist, übertragt ihr, wie alles andere, den Staaten. Die aber sind denkbar ungeeignet dafür. Denn deren hervorstechende Eigenschaft ist die Selbstsucht.
Daß sie ausschließlich an sich selbst denken, ist den Staaten nicht zu nehmen. Von keinem Staatenlenker kann verlangt werden, daß er gegen die Interessen seines Volkes, seiner Wähler handelt.
Die Einrichtung Staat beinhaltet unveränderlich das Streben nach Verbesserung der Lebensumstände für das eigene Volk, und zwar hier und jetzt - ohne Rücksicht auf die Natur, die Bedürfnisse der Nachbarn oder gar der Menschheit insgesamt und der kommenden Generationen. Seit der Erfindung der Atombombe indessen und seitdem die Überbevölkerung den Kampf um die letzten Ressourcen eröffnet, ist die den Staaten innewohnende Selbstsucht für den Fortbestand des höheren Lebens auf der Erde absolut tödlich.
Das wirft die Frage nach der Alternative auf. Der Verlust, um nicht zu sagen, die Aufgabe der Selbständigkeit erweist sich als verhängnisvoll. Ob es je gute Herrschaft gegeben hat - jetzt jedenfalls ist sie nicht mehr tragbar. Da bleibt nur, sich zu fragen, was geschähe, wenn ihr die Selbständigkeit, wenn ihr mich wähltet, ohne wenn und aber.
Nehmen wir einmal an, euer Staat wäre gestorben (eine ausgefallene Annahme?). Alle Herrschaftsfunktionen wären zum Erliegen gekommen, es herrschte Chaos (wie in Mogadischu). In einem Hochhaus in Irgendwostadt setzten sich daraufhin die Bewohner zusammen und beratschlagten, was zu tun sei. Unter ihnen gewönne nach heftiger Diskussion die Einsicht oberhand, daß den Leuten, die auf den Straßen versicherten, wer ihnen folge, erhielte Ruhe, Ordnung und Wohlfahrt, nicht zu trauen sei. Sie entschlössen sich also, wenigstens zunächst für den eigenen Bereich gemeinsam Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, sie vor Verletzung und Verlust zu schützen. Sei es, weil ihr Beispiel Schule macht, sei es, weil die gleiche Einsicht so ausgefallen nicht ist, jedenfalls fänden sich in der Nachbarschaft Hochhäuser und Häuserviertel, deren Bewohner ebenfalls nicht nur für Sicherheit im eigenen Bereich sorgten, sondern zugleich allen ideologischen, etatistischen, fundamentalistischen Vorstellungen die kalte Schulter zeigten.
Es bildeten sich nach und nach Gemeinden, deren Mitglieder willens sind, ihr Geschick in die eigene Hand zu nehmen – wie jene eurer Vorfahren auf dem Rütli. Und was darauf folgt, das rate ich euch, überlaßt euren sich meiner erfreuenden Artgenossen.
Ein Trugbild? Unbenommen, wenn ihr von Ideologien, Unterwerfung unter eine Herrschaft oder religiöser Überspanntheit nicht lassen wollt. Dabei erlaube ich euch, Vorstellungen jeglicher Art, so auch solche, wie die eben genannten, innerhalb eurer Gemeinde zu verwirklichen. Ihr dürft sie nur nicht gewaltsam auf andere übertragen wollen. Überredung ist erlaubt, Zwang absolut verboten.
Wählt mich, dann erhaltet ihr eine feste Grundlage. Seid sicher, daß ihr gemeinsam mit euren Freunden/Nachbarn meiner eingedenk stets Mittel finden werdet, jedes auftretende Problem zu beseitigen.
Fesseln dürft Ihr mir keine anlegen. Schon die erste verstümmelt mich. Und habt Ihr mir erst eine verordnet, habt Ihr damit zugleich die Begründung untergraben, warum eine zweite schädlich sein soll. Im Anschluß bleibt von mir bald nichts mehr übrig.
Jede Festlegung allgemeingültiger Natur außerdem erregt bei einem Teil von Euch Widerspruch. Jede Vorgabe bildet daher den Keim für Aufstand und Krieg.
Nehmt mich an, wie ich bin. Wer mich besaß, mußte es nie bereuen. Doch nur uneingeschränkt bin ich existent und für Euch von Nutzen.
Wenn man Plutarch glauben darf, dann erkannte schon Perikles, daß ich das Geheimnis des Glückes bin. Mein Geheimnis aber, so wußte er, ist der Mut.
Perikles wollte, daß seine Mitbürger mich in Ehren halten. Bei den heutigen Vordenkern dagegen stehe ich in schlechtem Ruf. Sie dichten mir Chaos an und Anarchie in ihrem bösen Sinn, obgleich offensichtlich ist, daß dort, wo das auftritt, meine Abwesenheit dies verschuldet. Dort sind meine Gegner tätig. Sie wollen einen Staat wiedererrichten oder irgend eine andere Form von Herrschaft. Darüber gibt es Streit. Letzten Endes zeigt sich hier, daß sich Fremdbestimmung gegenüber dem Verlangen nach Selbstbestimmung, nach mir, dauerhaft nicht durchsetzen läßt.
Ich verlange ein bißchen Courage, das ist wahr, den Verzicht auf soziale Sicherheit und Betreuung. Ich zwinge Euch, die Folgen für Euer Handeln und Euer Versagen zu tragen. Das ist mit mir untrennbar verbunden. In Not geraten, kann Euch nur die Barmherzigkeit Eurer Mitbürger helfen.
Aber wenn Ihr den Mut, mich zu wollen und zu behalten, aufbringt, untrennbar verbunden mit dem Willen, für Euch selbst verantwortlich zu sein, unter bewußtem Verzicht auf vorsorgliche Betreuung und Absicherung durch die Gemeinschaft, dann garantiere ich Euch ein Fortleben in Anstand und Würde.
Euer gesteigertes Wissen hat Euch argwöhnisch gemacht. Und die gemeinhin anzutreffende Ambivalenz scheint eine einfache Lösung zu verbieten. Zusätzlich hat eine Eigenheit des Staatshandelns die Vorliebe in Euch für den Kompromiß geweckt. Die Flucht vor der Folgerichtigkeit jedoch hat dauerhaft nie eine Sorge behoben, sie am Ende meistens verschlimmert.
Heute indes, wo es gilt, die Überfüllung und Überforderung Eures Planeten zu verhindern und die groben Ungerechtigkeiten zu beseitigen, wird von Euch eine konsequente Entscheidung verlangt. Diese läßt sich nicht mehr ungestraft auf die lange Bank schieben. Und sie muß ganzheitlich erfolgen. Für eine halbe Sache ist nicht mehr die Zeit.
Nur ein Weltbund, in welchem niemand auf mich verzichten muß, dürfte für die Mäßigung, die er im Sinne das Ganzen anordnen muß, auch die nötige Gefolgschaft finden.
Ohne mich gibt es keinen Frieden. Und ohne Frieden habt Ihr keine Zukunft.
Karl-August Hansen

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