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Bildung ist not.


Der aus dem althochdeutschen „bildunga“ herrührende Begriff beschrieb ehemals die gesellschaftliche Aufgabe, den jungen Menschen im Hinblick auf das Bestehen der Anforderungen, die das Leben in der Gemeinschaft stellt, zu formen.

Mit der Aufklärung erhielt der Begriff eine mehr individualistische Bedeutung. Bildung diente nun der Vervollkommnung der eigenen Person. Die Herzensbildung blieb durchaus als Zielvorstellung vorhanden, wurde aber ergänzt durch die Anweisung, in besonderer Weise den Geist zu schulen. Dabei wurde die Anhäufung von Wissen über das beruflich geforderte (spezielle) hinaus mehr und mehr als ersprießlich angesehen.
Das Bestreben, eine Elite heranzuziehen, die über ein möglichst hohes Niveau an moralischer Substanz und darüber hinaus über ein breites Spektrum an Kenntnissen verfügt, hat vorderhand gesellschaftlich eine plausible Berechtigung. Gleichwohl warnte schon Theodor Fontane: „Ich bin fast zu dem Satz gediehen: Bildung ist ein Weltunglück. Der Mensch muß klug sein, aber nicht gebildet.“
Der Unterschied zwischen nutzlos angehäuftem Wissen und der Fähigkeit zum logischen Denken sowie die möglicherweise zwischen beiden bestehende Beziehung sind zweifellos von Bedeutung. Worauf es ankommt jedoch, ist, was jeder Mensch können sollte.
Die Aufgabe, den Menschen zu „bilden“, muß fraglos vor allem anderen beinhalten, ihm die Grundlagen zu vermitteln, die er braucht, um unbeschadet durchs Leben zu kommen. Im Englischen, das nur den Begriff edukation kennt, wird nicht zwischen Bildung und Erziehung unterschieden. In Wahrheit ist eine solche Unterscheidung auch schwer zu treffen. Das gemeinsame Ziel kann nur sein, jeden jungen Menschen dahin zu bringen, daß er seelisch gesund, moralisch orientiert und mit einem grundlegenden Können und Wissen ausgestattet ins eigenständige Leben tritt.
Hier von einem Minimalziel zu sprechen, ist unangemessen. Vielmehr handelt es sich bei dem beschriebenen um jene Grundlage, die jedem Menschen anzugedeihen ist. Denn Gemeinschaft kann nur funktionieren, wenn deren Mitglieder ohne umfeldbedingte psychische Schäden bleiben und über einen Grundstock an Moral und Wissen verfügen (Einige wenige Mitglieder, die genetisch- oder krankheitsbedingt nicht oder nur begrenzt bildungsfähig sind, kann und muß jede Gemeinschaft verkraften).
Auf diesen Grundstock ist sodann die Ausbildung für den angestrebten Beruf zu stützen. Dabei ergibt sich die Notwendigkeit, für Berufe, die hohe Wissensanforderungen stellen, dafür geeigneten Kindern frühzeitig umfangreichere allgemeine Kenntnisse zu vermitteln. Was damit erreicht wird, mag man als höhere Bildung bezeichnen oder als gehobene Allgemeinbildung. Es ist auf jeden Fall ein anderes Thema, sollte der Ausbildung zugeordnet werden.
Bildung ist das, was allen Menschen zuteil werden muß. Sie ist die gesellschaftliche Aufgabe schlechthin. Ihr Gelingen indessen hängt von drei Faktoren ab: der Qualität der Eltern, der der Schule und der des Umfelds.
Was die Eltern anbelangt, so kann als erwiesen gelten, daß die Erbanlagen von Vater und Mutter für die Bildungsfähigkeit eines Kindes in dem beschriebenen Sinn - von Ausnahmen abgesehen - keine Rolle spielen. Ebenso wenig ist von Belang, über wie viel Geld und Gut die Eltern verfügen. Viele kluge und reiche Frauen und Männer sind schlechte Eltern. Viele weniger begabte und arme Mütter und Väter dagegen geben ihren Kindern trotz äußerer Not beste Voraussetzungen für den Start ins Leben, vor allem Wärme und Geborgenheit.
Die Natur sieht vor, daß Frau und Mann zu nichts anderem da sind, als gesunde Kinder in die Welt zu setzen. Zugleich obliegt ihnen, ihren Nachwuchs auf die Anforderungen, die das Leben stellt, bestmöglich vorzubereiten.
Doch die Natur gerät ins Hintertreffen. In Huxleys schöner neuer Welt hat sie der Mensch vollends verlassen Den Nachwuchs stellt der Staat her. Er kommt in Brutkästen zur Welt, nach Bedarf aus einem Pool an Ei- und Samenzellen und sortiert nach gebrauchten Eigenschaften. Zur eigenen Fortpflanzung sind die neuen Erdenbürger nicht mehr befähigt. Sie werden für die für sie vorgesehene Aufgabe optimal ausgebildet und verbringen ihr Leben - von Emotionen genetisch weitgehend befreit - in dem Entsprechen dessen, was der hohe Rat für sie bestimmt hat.
Wir befinden uns heute auf einer Zwischenstufe dorthin. Sie ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Abwendung von der ursprünglichen Aufgabe. Die moderne Frau, der moderne Mann neigt zu ausgeprägter Selbstbezogenheit. Kinder zu haben und zu erziehen, wird als lebenslange Drangsal erkannt und entsprechend gemieden.
Die Ehe ist von vornherein nicht mehr auf Dauer angelegt. Bringt sie dennoch Nachwuchs hervor, führt dies dazu, daß immer mehr Kinder bei nur einem Elternteil aufwachsen.
Teils gewollt, teils durch die Verhältnisse erzwungen, verdienen die Frauen ihr Brot selbst. Die Politik unterstützt das, indem sie einen höheren Frauenanteil in allen Berufen durchsetzt. Für Kindererziehung bleibt weder den beide jobbenden Eltern noch den ledigen oder geschiedenen Müttern und Vätern die Zeit.
Der Staat, der diese Situation herbeiführt, sieht sich in die Pflicht genommen.
Schon vom zweiten Lebensjahr an wollen oder müssen Eltern ihre Kinder der Gemeinschaft anvertrauen. Oft sollen die Wichte in der Kindertagesstätte schon das Frühstück erhalten, das Mittagessen sowieso.
Mütter und Väter begnügen sich mit der Aufgabe, ihre lieben Kleinen zu kleiden, nächtens zu beherbergen und morgens pünktlich in die staatlichen Einrichtungen zu schicken.
Und selbst die verbliebene gemeinsame Zeit wird getrennt verbracht. Denn ist Bescherung angesagt, kommt elektronisches Spielzeug auf den Gabentisch, deren Anwendung die Eltern des Gesprächs mit ihren Nachkömmlingen enthebt.
Die „Vertraulichen Mitteilungen“ vom 21. 12. 2010 stellten unter der Überschrift „Familienwunsch“ folgende Frage:
„Ginge es nach etlichen Medien und der darin veröffentlichten Meinung, wäre die klassische Familie längst ein Auslaufmodell. Die „Patschwork-Familie“ oder alleinerziehende Mütter und Väter werden zunehmend als erstrebenswert dargestellt. Doch wie sieht es in den Köpfen und Herzen der Kinder aus?“
Eine deutliche Antwort gab eine vom UN-Kinderhilfswerk „Unicef“ gemeinsam mit der deutschen Kinderzeitschrift „Geolino“ durchgeführte Umfrage. Von 1500 befragten Kindern zwischen 6 und 14 Jahren gaben 75 % an, daß eine – möglichst intakte – Familie für sie „total wichtig“ sei.
Dazu der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider: „Das Zusammensein mit den Eltern ist für Kinder heute das Wichtigste. Und auch bei der Wertvermittlung sehen 97 % der Kinder die Eltern an der Spitze.“
In der Süddeutschen Zeitung vom 27.7.2010 faßte Werner Bartens die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Sachverhalt unter dem Titel „Mutterliebe gegen Stress. Wer als Kleinkind Wärme erfährt, bleibt ein Leben lang robust“ wie folgt zusammen:
„Die Geister aus der Kinderstube können immer wiederkommen. So nennen Psychologen Ängste und seelische Notlagen, die auf mangelnde Liebe und Fürsorge in jungen Jahren zurückzuführen sind. Wer als Kind wenig Wärme erfahren hat und emotional vernachlässigt wurde, ist ein Leben lang anfällig für psychische Leiden – aber auch für Bluthochdruck, verstopfte Herzkranzgefäße und Zwölffingerdarmgeschwüre. Umgekehrt kann eine frühe, enge Bindung auf Dauer Stabilität verleihen.“
„Ähnliches konnten die Kinderpsychologen Jay Belsky und Michael Pluess vom Institute for the Study of Children an der Londoner Birbeck University kürzlich feststellen. Sie begleiteten Kinder von mehr als 1300 Familien vom sechsten Lebensmonat bis zum zwölften Lebensjahr. Es zeigte sich, daß Kinder mit einem fragileren Wesen am meisten von mütterlicher Zuwendung [ . . . ] profitieren.“ (SZ vom 29.12.2010: „Löwenzahn und Orchidie“ von Hubertus Breuer)
Aus seelisch verkümmerten Spößlingen können schlechterdings kaum seelisch gesunde Mütter und Väter erwachsen. Da ist eine Teufelsspirale inganggesetzt.
Die Schule soll es richten. Dazu erzwingen die Staaten ihren Besuch. Doch wie sie es bewerkstelligen soll, ist ein Dauerthema der Erziehungswissenschaftler und Bildungspolitiker. Nichts wird so viel hin- und herreformiert wie die Struktur der staatlichen Bildungseinrichtungen sowie die dort anzuwendenden Erziehungs- und Lehrmethoden.
Zunächst tobt sich die Zentralisierungs- und Vereinheitlichungswut der Staaten aus. Die kleinen Dorfschulen sind eleminiert. Die ABC-Schützen müssen sich in riesigen Zentralschulgebäuden zurechtfinden, die nichts Anheimelndes haben. Hinzu kommt die frühe Fahrschülereigenschaft. In den Bussen haben die „Langen“ das sagen, lernen die „Kurzen“ kennen, was sie später als „mobbing“ durchs Leben begleitet.
Sodann, weil von den Eltern „Mobilität“ verlangt wird und sie wohl auch aus eigenem Antrieb oft den Wohnsitz wechseln, soll möglichst an allen Schulen zu gleicher Zeit das gleiche gelehrt werden. Das läßt für eigene Erkenntnisse und Vorstellungen der Schulen und Lehrer keinen Raum. Es hindert sie auch daran, auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Mehrheit der Schüler einer Klasse Rücksicht zu nehmen, etwa einen Stoff länger als vorgesehen zu bearbeiten.
Hinzu kommt der fortwährende Streit um Lehrmethoden und -verfahren. Er erhält besondere Brisanz dadurch, daß es oft nicht erfahrene Praktiker sind, die ihn austragen und schließlich entscheiden, sondern ideologisch programmierte Staatsbeamte.
Und weil die Ministerien und Bezirksregierungen gut besetzt sind, außerdem immer mehr Mängel offenbar werden, die politischen Druck erzeugen, ergehen auf die Schulen eine Unmenge an Vorgaben und Kontrollen nieder.
Am schlimmsten aber wirken sich die Klassenstärken aus. Einer Lehrkraft sind oft mehr als dreißig mehr oder weniger gut gelaunte, mehr oder weniger gut gerüstete Knirpse anvertraut. Da bleibt die persönlich Ansprache auf der Strecke.
In den Grundschulen folglich treffen verprellte und überforderte Lehrer auf verstörte, schlecht umsorgte Schüler (viele erhalten kein Frühstück und bekommen kein Pausenbrot eingepackt). Die Schulpsychologen haben reichlich zu tun. Und ob veränderte und erweiterte Lehrerausbildung, vermehrter und verbesserter Ethikunterricht das Defizit an emotionaler Rüstung und Orientierung der Zöglinge ausgleichen kann, darf bezweifelt werden.
Den Rest dessen, was die Prägung der jeweils nachwachsenden Generation ausmacht, besorgt das Umfeld. Die jungen Menschen stolpern in eine Welt, in der jeder sich selbst der Nächste ist. Die Staaten haben nach und nach die gewachsenen Strukturen zerstört, zwingen ihre Bürger in eine amorphe Masse, die keinen Zusammenhalt kennt, in der jeder in die Anonymität abtaucht und nur an sich selbst denkt. Ob sie wollen oder nicht, das Umfeld erzieht die Steppke zum Ichling, gewöhnt sie daran, die Ellbogen auszufahren.
Die bedeutendste Umwälzung allerdings hat die Elektrotechnik in die Welt gebracht. Sobald der moderne Mensch sitzt, hat er einen Bildschirm vor der Nase, und sobald er geht, ein Handy am Ohr. Das eröffnet ungeheure Möglichkeiten der Kommunikation, die gerade von den allein gelassenen Nachkömmlingen weidlich genutzt werden.
Jeder junge Mensch hat eine Vielzahl von Gesprächspartnern. Aber hat er auch Freunde?
Die SZ berichtet unter der Überschrift „Wahre Freundschaft“ in ihrer Ausgabe vom 5./6. 2. 2011 folgenden Vorfall:
„Am Weihnachtsabend um 22.53 Uhr schrieb Simone Back aus dem südenglischen Brighton eine Nachricht an ihre 1048 Freunde: 'Hab all meine Pillen genommen, bin bald tot, also bye bye an alle'. Acht Minuten später erschien auf ihrer Facebook-Seite eine erste Reaktion: 'Sie erzählt immer von Überdosen, und sie lügt'. In den 148 folgenden Nachrichten finden sich Häme, Lügenbezichtigungen, Diskussionen darüber, wie ernst sie es wohl meint, und überhaupt: Es ist ihre Entscheidung'. Niemand setzte einen Notruf ab. Erst am nächsten Tag informierte jemand Backs Mutter. Als die Polizei die Tür aufbrach, war es zu spät. Simone Back starb in einem Krankenhaus, 18 Stunden nachdem sie ihren Hilferuf abgesetzt hatte.“.
Die Politik setzt unverdrossen auf den vermeintlich zu jeder Problemlösung fähigen Staat. Auf der Tagung der Evangelischen Akademie in Tutzing am 26. März 2011 über Sarrazins Thesen, trug der Ministerpräsident und Bundesminister außer Diensten Hans Eichel die sozialdemokratische Position als von den gegenwärtigen Gegebenheit unabdingbar gefordert vor (so, als sei dazu keine Alternative denkbar): Die Kleinkinder müssen spätestens ab dem zweiten Lebensjahr in Kindertagesstätten, ab dem vierten Lebensjahr in Kindergärten und sodann in Ganztagsschulen, jeweils unter staatlicher Aufsicht, herangezogen werden.
Die völlige staatliche Vereinnahmung, also die vollständige Trennung von den Eltern, so wie sie Platon einst vorsah und Marx jüngst forderte, bleibt im Gespräch.
Wenn indessen die Eltern und das Umfeld für eine gesunde Entwicklung der Kinder tatsächlich die Bedeutung haben, wie die Untersuchungen ausweisen und die Erfahrung aus vielen Jahrhunderten belegt, dann kann nur das entgegengesetzte Verfahren ans Ziel führen, dann ist nötig, daß die Kinder fürsorgliche Eltern haben und in einem zuträglichen Umfeld aufwachsen.
Wie aber bringt man Eltern dazu, daß sie ihrer Verantwortung gerecht werden? Durch Überredung oder gar Zwang sicher nicht. Doch spätestens seit Kant wissen wir, daß die Verhältnisse das Bewußtsein bestimmen.
Es läuft alles auf das selbe hinaus. Gäben wir den Menschen frei, führte das zu selbständigen Gemeinden. Diese stärken durch den in ihnen automatisch gegebenen Zusammenhalt auch die Bindungskräfte der Ehe und Familie. Und selbst wenn eine Gemeinde sich entschlösse, die Kleinfamilie abzuschaffen und die von ihren weiblichen Mitgliedern geborenen Kinder gemeinsam aufzuziehen, erbrächte das vermutlich bessere Erziehungsergebnisse als die der staatlichen Aufzuchtanstalten.
Selbständige Gemeinden würden vermutlich auch die schulische Grundbildung wieder in die eigene Hand nehmen. Sie folgten damit wissenschaftlichen Erkenntnissen, die den Zwergschulen gute Bildungserfolge zusprechen.
Auf dem Schauinsland bei Freiburg darf eine einklassige Grund- und Hauptschule aus einem Lehrer und 15 Schülern bestehen bleiben, weil die einzige Zufahrt für Schulbusse zu steil ist. In ihr ist in den letzten 27 Jahren kein Schüler „sitzengeblieben“. Ein Sonderschüler, in die Klasse 4 aufgenommen, der sich vorher allem verweigert hatte, machte hier einen befriedigenden Abschluß. Und die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Annette Schavan, erklärte, nachdem sie einen halben Vormittag am Unterricht teilgenommen hatte: „Der jahrgangsgemischte Unterricht eröffnet vielfältige Möglichkeiten für kognitives und soziales Lernen. Differenzierende und individualisierte Lernangebote entsprechen dem jeweiligen Lernstand und Lerntempo des Kindes.“ (Zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 6.3.2001, Seite V2 / 19).
In funktionierenden Gemeinden gibt es keine verwahrlosten Kinder.
Freiheit tut not – sonst nichts.



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